Vortrag Facility Kongress 2002
Korneuburg, Juni 2002

"Der Nutzen eines Webauftritts für Immobilien- und Vermögenstreuhänder"
 

Die vorliegende Zusammenfassung soll einen kurzen Einblick in die Strategien und Lösungskonzepte für einen erfolgreichen Webauftritt für Immobilientreuhänder geben. Es soll versucht werden, die Notwendigkeiten und Vorteile darzulegen um genau jene Personen anzusprechen, die für die Entscheidung zu einer Website oder deren Umgestaltung verantwortlich sein sollten. Internetplanung ist definitiv Chefsache, selbst wenn der Anstoß zur Einführung und strategischen Planung häufig von außerhalb kommt. Schließlich wird z.B. eine Radiostation nicht ihre Techniker bestimmen lassen, welches Programm gesendet wird!
 

1. Kurze Geschichte des Internet

Die Geschichte des Internets begann mit der Gründung der Advanced Research Projects Agency (ARPA) im Jahre 1957 als militärische Forschungseinrichtung. Um 1960 versucht die ARPA Forschungsprojekte zu forcieren, die militärische Kommandostrukturen auch unter schwierigen Bedingungen aufrechterhalten können. Im August 1962 stellt J.C.R. Licklider ein Konzept des "galaktischen Netzes" vor und wird zum Leiter der ARPA ernannt. Im Zuge der Forschungen werden Universitäten einbezogen und im Jahr 1969 werden vier Computer zum sogenannten ARPANET zusammengeschlossen. Im Jahr 1972 werden erstmals eMail-Systeme eingesetzt. Das Standardprotokoll für die Datenübertragung TCP/IP entwickelt sich. Im Jahr 1979 entwickeln Studenten ein Diskussions- und eMail-System namens USENET an das bis 1981 bereits 23 Universitäten angeschlossen sind. Bald enstehen gemeinsame Verbindungen beider Systeme. Im Jahr 1983 sind an das ARPANET ca. 400 Rechner angeschlossen. Der Begriff des "Internets" entsteht. Parallel dazu kann die Entwicklung des Hypertextsystems betrachtet werden. Im Juli 1945 entsteht durch Dr. Vanevar Bush ein System namens Memex. Er schlug eine Maschine vor, die in der Lage ist, Texte und grafische Informationen miteinander zu verknüpfen. Ebenso sollte es den Benutzern ermöglichen, diese Links selbst zu erweitern und verbessern. Diese Ansätze wurden 1965 von Theodor Holm Nelson aufgegriffen und sollten mit einer Software namens Xanadu umgesetzt werden. Es wurden die Begriffe "Hypertext" uns "Hypermedia" geschaffen. Dieses System, das leider nie in Betrieb ging, bildet immer noch die Basis späterer Hypertext-Systeme und des Word Wide Web (WWW) wie wir es heute kennen. Im Jahre 1989 entwickelt Tim Berners-Lee am schweizerischen Forschungszentrum CERN ein verknüpftes Informationssystem. An ihrem Institut wurde an vielen unterschiedlichen Computersystemen mit unterschiedlichen Sprachen gearbeitet. Um die Kommunikation zwischen den Wissenschaftlern zu erleichtern versuchten sie ein System zu entwickeln, das den Austausch und die Bearbeitung von Dokumenten auf all diesen System ermöglicht. Es entstand die Hypertext Markup Language (HTML). Die Entwicklung des Browsers bedeutete, dass nun nicht nur Universitäten Zugang zu Dokumenten hatten, sondern jeder, der ein Modem hatte. Im Jahr 1997 gab es ca. 1 Million Webseiten und ca. 100 Millionen User. Ein Jahr später bereits ca. 3,7 Millionen Webseiten und über 150 Millionen User. Und das exponentielle Wachstum hält weiter an. Heute gibt es weltweit ca. 500 Millionen User.
In Österreich besitzen bereits 50 % der Österreicher über 14 Jahre einen Zugang zum Internet. Im Jänner 2001 haben 92 % aller Unternehmen den Computer als Arbeitsmittel verwendet, 84 % haben einen Internet Zugang und nur 54 % haben eine eigene Website. Im Bereich Realitätenwesen und unternehmensbezogene Dienstleistungen sind die Prozentsätze leicht über dem Durchschnitt (98,6 % / 94,6 % / 63,0 %).
 

2. Anforderungen an einen Webauftritt

Es soll hier nicht versucht werden, einen kompletten Webauftritt zu planen, sondern nur auf die grundlegenden Anforderungen speziell für die Entscheider (siehe oben) eingegangen werden.
Allgemein ist zwischen der Homepage, die als Startseite oder Einstiegsseite eines Webauftritts zu sehen ist und der Website als das komplette Angebot eines Dienstanbieters zu unterscheiden.

2.1. inhaltliche Aspekte

Die inhaltlichen Aspekte lassen sich in die Bereiche Inhalt und Präsentation, Usability, elektronisches Kundenbeziehungsmanagement (eCRM), Sicherheit, eCommerce und den Bereich Wertsteigerung aufteilen.

Inhalt und Präsentation
Der Inhalt einer Website sollte dem Ziel der Internetpräsentation (Information, Image, Bekanntheitsgrad, etc.) folgen. Ganz oben steht der Informationsgehalt. Das heißt für den Immobilientreuhänder, dass der Webauftritt nicht nur eine statische Information mit Kurzdarstellung und den Kontaktdaten (Onlinevisitenkarte) sein soll, sondern sich eher als Onlinekatalog verstehen sollte, der das Unternehmen mit seinen Mitarbeitern, seine Projekte und Arbeiten, sowie seine Referenzen ansprechend, interaktiv, informativ und lebendig präsentiert. Wichtig ist, dass die entsprechende Zielgruppe auch mit den von ihnen gewünschten nützlichen Information versorgt wird. Was soll einen potentiellen Kunden dazu bringen, gerade Ihre Dienstleistung in Anspruch zu nehmen? Es muss daher im Rahmen der Entwicklung der Website auf einen relevanten Inhalt Rücksicht genommen werden. Viele Webseiten entstehen mit vielen bunten Bildern und liefern keine relevanten Informationen für den User. Weiters sei erwähnt, dass der Webauftritt als Spiegelbild des Unternehmens, seiner Dienstleistungen und Produkte zu sehen ist. Natürlich darf hier die Aktualisierung auf dem neuesten Stand der Technik nicht vernachlässigt werden. Im Bereich der Präsentation kommen wir damit auf die Aspekte der Usability und der Ergonomie.

Usability
Der Faktor Usability bedeutet, dass die Website übersichtlich und strukturiert aufgebaut sein soll, mit einfachem und nicht zu aufwendigem Design glänzen sollte, dass Benutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit im Vordergrund stehen. Nochmals gilt, dass die beste grafisch aufgebaute Website, die nur langsam zu laden ist und unübersichtlich zu navigieren ist, wird beim Kunden kaum ein "erinnerungswürdiges Klicken" hinterlassen. Hier ist besonders auf geordnete Gedankenstrukturen, Übersichtlichkeit und Struktur, Einfachheit, nicht zu aufwendiges Design, ästhetische und emotionale Effekte, Nutzbarkeit und Geschwindigkeit, sowie Benutzerfreundlichkeit und Fehleranfälligkeit zu achten.

elektronisches Kundenbeziehungsmanagement (eCRM)
Ein weiterer Faktor ist mittlerweile das elektronische Kundenbeziehungsmanagement (eCRM) geworden. Das effiziente, rasche und freundliche Beantworten der Korrespondenz und Telefonate reicht heute nicht mehr aus um den Konsumenten zufrieden zu stellen. Eine Optimierung der Geschäftsprozesse (durch EDV-Integration), verbesserte Kundenberatung durch integrierte Informationssysteme (Data Warehousing, Knowledge-Management) werden immer mehr gefordert. Customer Relationship Management (CRM) ist nicht nur mehr ein Bereich, der große Unternehmen betrifft. Im eCRM werden den Kunden verbesserte Leistungsangebote und Geschäftsprozesse angeboten. Im Bereich der Immobilienverwaltungen sind die Kunden Wohnungseigentümer, Mieter, Hauseigentümer, Hausbetreuer, ua. Um in diesem Bereich eine effizientere und kundenorientiertere Betreuung zu gewährleisten gibt es die Systemlösungen über den Weg eines Zugangssystems, der den entsprechenden Kunden raschen Zugriff auf für sie relevanten Daten verschafft (z.B. Schadensmeldungen, Formulare, etc. für Wohnungseigentümer, Mieter und Hauseigentümer, Streumaterialbestellung für Hausbetreuer, usw.) Im Bereich der Immobilienmakler finden sich hier häufig Systeme, die die unterschiedlichen Benutzergruppen (wie Wohnungssuchende, andere Makler, etc.) über Login-System die entsprechenden Informationen abfragen lässt. Im Bereich der Bauträger finden sich hier bereits unzählige Softwarelösungen am Markt die vom Baustellenmanagement, Lieferantenkoordination bis hin zu Informationssystemen für die prospektiven Wohnungskäufer.

Sicherheit
Im Bereich der Sicherheit sind vor allem jene Lösungen mit besonderen Augenmerk zu betrachten, bei denen der Kunde auf repräsentative und geheime Daten je nach Usergruppe zugreifen kann. Man sollte daher auf weitläufige Sicherheitsmassnahmen drängen. Dazu gehören unter anderem das System ausreichend vor Hackerangriffen (von innen und außen) zu schützen, eine sichere Datenhaltung inklusive Sicherung und ein sicherer Datentransport an Dritte zu gewährleisten und Vorkehrungen für den Systemausfall zu treffen, etc.

eCommerce
Im Bereich des eCommerce wird die professionelle Nutzung des Internets durch Onlinekataloge und E-Shops weitergeführt. Diesen Bereich tangieren vor allem Immobilienmakler durch das Anbot von Immobilienangeboten. Hier ist besonders auf rechtliche Aspekte Rücksicht zu nehmen. Es gibt in diesem Bereich mehrere Anbieter von Datenbanken, die gegen Entgelt ihre Objekte in den Online-Katalog aufnehmen. Der Vorteil bei solchen Systemen gegenüber einer eigenen Lösung (im Kleinbetriebsbereich) ist sicherlich die Kostentransparenz und der potentiell größere Kreis der Interessenten. Gerade größere Firmen tendieren aber häufig schon zu eigenen Lösungen um die Abhängigkeit des Dienstanbieters zu vermeiden und auch die eigenen Marke zu stärken.

Wertsteigerung
Gerade dieser Bereich, der sich mit weiterführenden Maßnahmen für die User beschäftigt wird meist gewaltig unterschätzt. In diesen Bereich fallen unter anderem Linksammlungen (eine Auflistung von relevanten und interessanten Links aus der Branche oder aus sonstigen Gebieten), Newsletter, die eine regelmäßige Information des Kundenstocks zum Ziel haben und wieder die Kundenbindung fördern sollen, der Bereich Infotainment mit Online-Spielen, Wettbewerben und Gewinnspielen. Ebenso können Sonderangebote oder ein Forum angeboten werden. Mit diesen Varianten ist aber im Bereich der Immobilientreuhänder vorsichtig umzugehen. All diese Maßnahmen sichern die Kundenbindung des Users.

2.2. rechtliche Aspekte

Für den Betrieb einer Website ist als einer der wichtigsten Schritte die Reservierung eines leicht wiedererkennbaren Domainnamens zu erwähnen. Die Wiedererkennbarkeit und Replikationsfähigkeit im Gedächtnis des Users sind im Sinne des Marketing und der Markenbildung vorrangig. Gerade heute sind Begriffe wie Corporate Design in aller Munde uns sollten auch im Internet praktiziert werden. Domainnamen werden nach dem Prinzip "First come, first served" vergeben. Das bedeutet, dass sie vorab versichern, ob Ihre Wunschdomain noch frei ist. In Österreich übernimmt das die Firma nic.at und sie können diese Information auch online nachprüfen. In Österreich sind die Top-Level-Domains .at, .co.at und für Organisationen .or.at gebräuchlich. Der Akademische Bereich wird mit .gv.at abgebildet. Im Geschäftsleben sind unter anderem auch die Domainendungen .com, .net, .cc und seit neuestem auch .info verfügbar.

Weiters sind die rechtlichen Grundlagen für den eventuellen Handel und die Darbietung von Information im Internet zu beachten. Hier gilt grundsätzlich, dass das (ältere) Fernabsatzgesetz (BGBl. I Nr. 185/1999 - in Kraft seit 01.06.2000) ausschließlich für den Bereich Business-to-Consumer (B2C) zur Anwendung kommt und hauptsächlich den Zweck des Konsumentenschutzgesetzes verfolgt. Ausnahmen bestehen hier vor allem im Bereich von Verträgen über Bau oder Verkauf von Immobilien (nicht jedoch für Vermietung). Im Gegensatz dazu gelten die Vorschriften des E-Commerce-Gesetzes (ECG) (BGBl. I Nr. 152/2001) sowohl für Business-to-Business (B2B) und B2C. In der Praxis erlebt man leider oft, dass das ECG nur sehr oberflächlich oder gar nicht umgesetzt wurde. Hier sei exemplarisch der Bereich des Aufbaus einer Website angesprochen.
Als zentraler Begriff des ECG wird der Dienstanbieter als "eine natürliche und juristische Person oder sonstige rechtsfähige Einrichtung, die einen Dienst der Informationsgesellschaft bereitstellt" (§ 3 Z 2 ECG) definiert. Als Dienst der Informationsgesellschaft definiert § 3 Z 1 ECG Online-Dienste "die in der Regel gegen Entgelt elektronisch im Fernabsatz auf individuellen Abruf des Empfängers" bereitgestellt werden. Der Ausdruck "in der Regel gegen Entgelt" beinhaltet auch Leistungen, die zunächst unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden und zum Beispiel eine Eigenwerbung darstellen. Der Begriff des "Fernabsatzes" impliziert, dass der Anbieter und der Empfänger nicht gleichzeitig gemeinsam körperlich anwesend sind. Die "individuelle Abrufbarkeit" ist durch überwiegende Eigenaktivität des Empfängers zur Darstellung der Information gegeben. Dieser Begriff erfasst daher jeden, der eine kommerzielle Homepage betreibt. Darunter fällt natürlich auch der Immobilientreuhänder (Immobilienverwalter, -makler und Bauträger).
Welche Informationen hat der Dienstanbieter nun zur Verfügung zu stellen? Gemäß § 5 ECG hat der Dienstanbieter folgende Informationen leicht und unmittelbar zugänglich zur Verfügung zu stellen:
 

1.  Namen (Vor- und Familienname) oder Firma des Website-Inhabers
2.  geografische Anschrift des Unternehmens
3.  aktuelle Kontaktdaten (Telefon, Fax, e-Mail-Adresse)
4.  Firmenbuchnummer und Firmenbuchgericht (sofern vorhanden)
5.  zuständige Aufsichtsbehörde (soweit die Tätigkeit einer behördlichen Ausfischt unterliegt)
Als Aufsichtbehörde sind nur besondere Aufsichtsbehörden (Telekom-Controll-Kommission, Bundeswertpapieraufsicht) gemeint. Die allgemeine Gewerbebehörde (MA 63) muss nicht angeführt werden.
6.  gewerbe- und berufsrechtliche Angehörigkeit (Kammer, Berufsverband) inklusive der Berufsbezeichnung sowie den Hinweis auf die anwendbaren gewerbe- und berufrechtlichen Vorschriften (sofern vorhanden)
Der Begriff "Berufsverband" umfasst sowohl gesetzliche Mitgliedschaften wie auch freiwillige Mitgliedschaften. Hinsichtlich der Mitgliedschaft bei den jeweiligen Fachgruppen, Fachverbänden, Wirtschaftskammern der Länder genügt es, wenn die entsprechende Landeskammer angegeben wird.
Unter den "anwendbaren gewerbe- und berufsrechtlichen Vorschriften" sind nicht die Normen der Gewerbeordnung 1994 (GewO), sondern spezifische gesetzliche Vorschriften (für z.B. Makler, technische Büros, Inkassobüros, etc.) zu verstehen. Es müssen nicht alle Rechtsvorschriften wiedergegeben werden, sondern es genügt die entsprechende Linksetzung (z.B. auf http://www.ris.bka.gv.at/)
7.  Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (UID) (sofern vorhanden)

Diese Daten müssen "leicht und unmittelbar zugänglich" sein. Dies setzt eine optisch leichte Lesbarkeit und Auffindbarkeit voraus. Dabei reicht es aus, wenn der Kunde diese Informationen ohne besonderen Aufwand und Kenntnisse finden kann. Das kann unter anderem dadurch sichergestellt werden, dass man über einen Button (mit dem Link) oder ähnliche Bereiche wie z.B. "Wir über uns" oder "Kontakt" auf die notwendigen Informationen gelangen kann.
Was bedeutet das im speziellen für den Immobilienverwalter? Die Informationen gemäß § 5 Abs. 1 Z 1-4 und Z 7 ECG (Name, Anschrift, Kontaktdaten, Firmenbuchdaten und UID) lassen sich leicht selbst bestimmen. Schwieriger zu bestimmen sind die Ziffern 5 und 6. Als zuständige Aufsichtsbehörde käme nur die MA 63 in Betracht. Diese muss aber nicht angeführt werden. Daher entfällt diese Angabepflicht. Für Ziffer 6 gilt die Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder im jeweiligen Bundesland. Eine genaue Angabe der Berufsgruppe(n) (Immobilienverwalter, -makler, Bauträger) ist sicher erforderlich. Für die berufsrechtlichen Vorschriften sollten die entsprechende Berufsbilder und Honorarrichtlinien inklusive den entsprechenden Handelsbräuchen (wieder Immobilienverwalter, -makler, Bauträger) aufgezählt werden. Als gesetzliche Grundlagen gelten das Maklergesetz (BGBl. Nr. 262/1996 idF BGBl. I Nr. 98/2001) und die Immobilienmaklerverordnung (BGBl Nr. 297/1996).
 

3. Kosten/Nutzen eines Webauftritts

Wie bereits am Ende des Kapitels "Geschichte des Internet" beträgt der Anteil der Unternehmen im Bereich des Realitätenwesens und der unternehmensbezogenen Dienstleistungen mit einer eigenen Website bei nur 63 %!
Daher sollte besonderen Wert auf den Nutzen dieses (sicher nicht mehr neuen!) Mediums gelegt werden. Bei der Betrachtung des Nutzens wären primär monetäre Ansätze zu berücksichtigen. Da aber eine Betrachtung aller Einflüsse in Geldwerten oft nur sehr schwer möglich ist, betrachten wir hier vorrangig die leicht messbaren Größen. Durch möglichst genaue Kostenschätzung sollte der Faktor Kosten (bestehend aus einmaligen und laufenden Kosten) über einen Betrachtungszeitraum dem Faktor Nutzen (bestehend aus messbaren und nicht bezifferbaren Nutzen) gegenübergestellt werden.

3.1. Kosten eines Webauftritts

Die einmaligen Kosten werden durch Domainregistrierung, externe Beratung und Consulting, Aufbau der Website inklusive Programmierung und der eventuellen Implementation von Datenbanken, eventuell notwendige neue Hard- und Software und die Startkosten des Providers festgelegt. Häufig wird aber der Faktor der laufenden Kosten unterschätzt. Schätzungen gehen davon aus, dass Hosting und Unterhalt der Website im ersten Jahr ca. 50 - 150 % der Erstellungskosten betragen. Danach fällt dieser Kostenanteil nur unwesentlich. Unter die laufenden Kosten fallen die Kosten für die permanente Aktualisierung und Wartung der Inhalte (bei anspruchsvolleren Lösungen werden sogenannte Web-Content-Management-Systeme eingesetzt), Kommunikationskosten sowie eventuell Transaktionskosten. Bei einfacheren Systemen kann die Wartung auch von internen Mitarbeiter übernommen werden. Gerade im Bereich des eCommerce bei Immobilienmaklern mit den angesprochenen Lösungen sind häufig einfache Bedienbarkeitsmodule integriert. Bei komplexeren Projekten ist diese Kostenkalkulationsbasis auf den entsprechenden Zeitraum zu beziehen. Für "kleine" Webauftritte im Bereich von ca. 20 Seiten muss mit ca. 3-4 Wochen Projektzeit kalkuliert werden. "Größere" Projekte mit Datenbankanbindungen und dynamischerem Inhalt dauern sicherlich einige Monate. Ich möchte hier bewusst nicht auf detaillierte Preise eingehen, da die Zusammenstellung der Kosten und die Unterschiedlichkeit der Angebote doch sehr variieren können.

3.2. Nutzen eines Webauftritts

Für jeden Webauftritt sollte eine Auswertung des erreichten Erfolges erfolgen. Der Nutzen oder Erfolg lässt sich in den Bereich des messbaren und des nicht bezifferbaren Nutzens aufgliedern.
Unter den messbaren Nutzen fällt der Nutzen durch Kosteneinsparung, durch neue oder verbesserte Produkte und im Immobilienbereich eigentlich hauptsächlich die Messbarkeit des Nutzens anhand von Zahlenmaterial, das sich direkt aus dem Betrieb der Website ergibt und andererseits aus Geschäftsergebnissen, die mittels der Website erreicht werden. Im Bereich der Immobilienverwaltung, aber auch bei Immobilienmaklern und Bauträgern bedeutet das, dass Zugriffs- und Benutzerstatistiken ausgewertet werden müssen, die Zahl der über die Website einlangenden eMails analysiert werden muss und auch die Zahl der externen Links, die zur jeweiligen Site führen gemessen werden. Die Statistiken sollte ein guter Content-Provider liefern können. Allein bei der Interpretation ist auf die Feinheiten der Wortwahl Rücksicht zu nehmen. So beteuten "Hits" lediglich, wie oft ein Element der Website (HTML-Code, Bilder, also jede getrennte Datei pro Einzelseite) aufgerufen wurde. Im Gegensatz dazu definieren die "Sessions" die Zahl der Einzelverbindungen pro Tag. Hier ist weiters die Unterscheidung vorzunehmen, ob jeder erneute Besuch innerhalb von 24 Stunden einen neuen Zählvorgang auslöst. Im Bereich der Immobilienmakler und Bauträger sind auch Geschäftsergebnisse, die durch die Website erzielt werden, als Nutzenfaktor zu werten. Darunter versteht man hauptsächlich den Umsatz, der direkt oder indirekt durch die Website generiert wurde. Wenn man ein E-Commerce-Modul betreibt, ist diese Schätzung einfach. Ansonsten sollten Umsatzschätzungen aufgrund der betrieblichen Aufzeichnungen vorgenommen werden.
 

4. Ausblick für die Immobilientreuhänder

Sie haben nun die inhaltlichen und rechtlichen Grundlagen für den Aufbau eines Webauftritts kennengelernt. Wir haben kurz die Kosten und den Nutzen beleuchtet, sodass sie ein kleines Rüstzeug für die Entscheidung in Ihrem Unternehmen mitbekommen haben.
Aufgrund der ständig wachsenden Internetgemeinde und der immer größer werdenden Anzahl an Websites sollten sie unbedingt an den Aufbau einer Webpräsenz denken. Aber die reine Onlinevisitenkarte ist heute zu wenig. Die Websites und Datenbankanbindungen lassen heute einen komplette Vernetzung der betrieblichen EDV zu. Im Bereich der Immobilienverwaltung lassen sich damit Baumanagementsysteme, Informationssysteme als Baubegeleitung und interessante Realisierungen im Bereich eCRM verwirklichen. Die Berufsgruppe der Makler wird versuchen müssen, nicht nur reine Verkaufsstrategien zu realisieren, sondern auch Kundenbindung schaffen. Das reine Anbieten von Objekten ist das bald zu wenig. Mit Transparenz und Information sollten auch hier wieder eCRM-Aspekte einfließen. Auch der Bereich der Bauträger kann von neuen Technologien profitieren. Koordinierter Einkauf mit den Lieferanten und Professionisten, Login-Systeme für die Wohnungssuchenden und virtuelle Realitäten erlauben Möglichkeiten der Webgestaltung, in denen absolut nicht mehr nur statische Informationen im Vordergrund stehen und der Besuch der Website für den User sicher zum Erlebnis wird.
Zukünftig werden verstärkt auch immer mehr Netzwerkbildungen in den Vordergrund rücken. Kein Kollege ist reiner Einzelkämpfer mehr oder nutzt nicht die Erfahrungen und Möglichkeiten von befreundeten Kollegen oder von Mitgliedsnetzwerken. Auch in diesem Bereich lassen sich über Login-Systeme und Implementierungen auf der Website Unterstützungen für die Kollegen untereinander bereitstellen.
Ich höre von immer mehr Kollegen, dass die Bindung der Kunden durch eine gute Website immer stärker wird und dass die Akquisition von neuen Kunden immer häufiger über das Medium Internet geschieht. Wenn sich der Kunde vorab informieren will, wirft er zuerst einen Blick auf die Website. Gefällt ihm, was er dort sieht, dann kommt es zu weiteren Gesprächen. Oft aber ist der potentielle Kunde aber schon so verunsichert oder enttäuscht, dass es zu gar keinen weiteren Verhandlungen kommt. Da zählt es wenig, dass sie vielleicht fachlich zu den Besten gehören, aber das nicht ihrem Kunden vermitteln können.
 

5. Zusammenfassung

Es sollte bei der Überlegung eines Aufbaues einer Webpräsenz nicht nur die Kosten im Vordergrund stehen. Oft genügt eine Betrachtung des Nutzens für das Unternehmen, da ein Webauftritt schon zum guten Geschäftsauftritt gehört und über die Notwendigkeit in den seltensten Fällen noch diskutiert wird. Versuchen sie sich von den Qualitäten Ihres Providers, ihres Webstudios und ihres Betreuers zu überzeugen. Lassen Sie sich Zeit für inhaltliche Überlegungen. Eine gute Website hat einen guten Inhalt und nicht nur tolles Design. Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen und lassen sie sich Begriffe erklären. Gerade der Bereich des Internets ist voll von "New Economy"-Vocabular. Es ist wichtig, dass gemeinsam mit Ihnen die Möglichkeiten erarbeitet werden. Sie kennen Ihr Unternehmen und das Webunternehmen kennt die Gewohnheiten und Gegebenheiten des Internets und deren User.
 

Über den Autor

Ing. Peter Sittler, geboren am 28.06.1973 in Wien, 1992 Matura an der HTL Wien 1 im Bereich Nachrichtentechnik, Studium der Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien, seit 2001 Fachhochschulstudium Immobilienwirtschaft an der FHW, 1994 bis 2001 (mit Unterbrechungen) EDV-Leiter und Immobilienverwalter bei Immobilienverwaltung KR Prof. Wertitsch, 2000 Befähigungsprüfung Immobilienverwalter, seit 1997 selbstständiger IT-Consulent

Ing. Peter Sittler Computer Consulting
1100 Wien, Waldgasse 9/12
T +43/1/9617162-0
F +43/1/9617162-10
M +43/664/3023557
 

Literatur

Beirat für Wirtschafts- u. Sozialfragen: Kurzfassung der Studie "Digitale Wirtschaft", Wien, 15.01.2002, aus dem Internet http://www.wko.at/presse/dienstag/digitale_wirtschaft.pdf [Stand 27.05.2002]
Büchner, Heino / Traub, Dennis / Zahradka, Rik / Zschau, Oliver: Web Content Management - Websites professionell betreiben, 1. Auflage, Bonn, 2000, Galileo Press, ISBN 3-934358-86-1
Farfeleder / Neuböck / Bender / Harter / Posch: Usability und Kriterien zur Homepageerstellung, Dokumentation des Seminars "Lehren und Lernen mit neuen Medien", Sommersemester 2001, aus dem Internet http://www.komdat.sbg.ac.at/ss2001/llnm/AG4_end.pdf [Stand 27.05.2002]
Fessel-GfK GmbH. / Integral: Austrian Internet Monitor (AIM), Stand 4. Quartal 2002, aus dem Internet http://www.fessel.at [Stand 27.05.2002]
Gleissner, Rolf / Kilches, Ralph / Krieger, Horst / Lichtmannegger, Rudolf / Rupp, Christian / Sehrschön, Ulrike / Seifert, Michael: Business Online - Ein Wegweiser für Klein- und Mittelbetriebe durch den Marktplatz Internet, 2002, Wirtschaftskammer Österreich / Public Voice Report Verlag, ISBN 3-901688-30-7
Gleissner, Rolf / Laga, Gerhard / Lichtmannegger, Rudolf / Ratzinger, Maria / Reissner, Christoph / Rupp, Christian / Seifert, Michael / Holzinger, Eckart / Kissling, Roland / Vlasitz, Helene: Das Internet-Handbuch für Ihr Unternehmen -  Neue Chancen, neue Märkte und neue Techniken im 21. Jahrhundert, 1. Auflage, Jänner 2000, Wirtschaftskammer Österreich / Das Medienbüro
Grupp, Bruno: Der professionelle IT-Berater, 1. Auflage, Bonn, 2000, MITP-Verlag, ISBN 3-8266-0505-5
Handik, Christian: e-commerce - Recht im Internet, Broschüre der Wirtschaftskammer Wien, 03/2001
Handik, Christian: Klick und Kauf - E-Commerce Gesetz, in: Wiener Wirtschaft, 08.03.2002, Seite 2,3
Hansen, Hans  Robert / Neumann, Gustav: Wirtschaftsinformatik I, 8. Auflage, 2001, Lucius & Lucius Verlag, ISBN 3-8252-0802-1
Henrich, Andreas: Management von Softwareprojekten, 1. Auflage, München, 2002, Verlag Oldenbourg, ISBN 3-486-25859-1
Hölsken, Gordon: Durchdachte Navigation - Usability, in: Internet Magazin, 06/2002, Seiten 54-56
Holzapfel, Anton: Hausverwaltung im Wandel, in: Immobilien Jumbo, April 2002, Seite 12
Hopfgartner, Anton / Chicago Consulting - Dr. Anton Hopfgartner GmbH.: Grundlagen des klassischen Marketing Management, Skriptum der FH-Wien, Studiengang Immobilienwirtschaft, 01/2002
Hübner, Roger / Bressler, Florian / Rohloff, Stefan: Was kostet Web-Design? - Kosten und Kalkulation für digitale Kommunikation, Frankfurt am Main, 2000, form Verlag, ISBN 3-89802-019-3
Hüttl, Manuel: Nichts ist so alt wie der Erfolg von gestern - Wie Unternehmen auf der nächsten Welle des E-Business reiten, in: Monitor, 04/2002, Seiten 46,47
Internet: eRecht - Grundzüge der Rechtsgebiete, Wirtschaftskammer Österreich, aus dem Internet http://wko.at/rp/eday/e_recht.htm [Stand 19.02.2002]
Krumpak, Günther: IT-Business in Österreich mit IT-Standort Wien, Wien, 2001, Bohmann Verlag, ISBN 3-901983-09X
Malloth, Thomas: Immobilienmanagement, Wien, 2001, Österreichischer Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI),
ISBN 3-9500850-7-6
o.V.: IT für Immobilienverwalter - Luxus oder Notwendigkeit, in: Österreichische Immobilien Zeitung (ÖIZ), Nr. 07/2002, Seite 128
o.V.: Kritischer Blick auf die Website, in: Computerwelt, Nr. 10, 01.03.2002
Rainer, Herbert: Immobilienmaklerrecht, Skriptum der FH-Wien, Studiengang Immobilienwirtschaft, Stand 20.03.2002
Siegl, David: Das Geheimnis erfolgreicher Web Sites, München, 1998, Markt und Technik Verlag, ISBN 3-8272-5330-6
Sittler, Peter: Das neue E-Commerce Gesetz aus der Sicht der Immobilienverwaltung, aus dem Internet http://www.wertitsch.at/beitraege/16.htm [Stand 28.05.2002]
Sittler, Peter: Der Nutzen eines Internetauftritts für Immobilienverwaltungen anhand der Website von Wertitsch Immobilien, aus dem Internet http://www.wertitsch.at/beitraege/15.htm [Stand 28.05.2002]
Statistik Austria: E-Commerce, Stand 19.10.2001, aus dem Internet http://www.statistik.at, Bereich Ergebnisse/Volkswirtschaft [Stand 27.05.2002]
Weinreich, Harald: Software-Ergonomie und das World Wide Web - 10 wichtige Leitlinien für die Gestaltung von ergonomischen WWW-Informationssystemen, erstellt 09/1997, aus dem Internet http://vsis-www.informatik.uni-hamburg.de/ergonomie [Stand 27.05.2002]
Wolf, Ilse / Wolf, Rudolf: CRM als integrierte Wertschöpfungskette, in: Monitor, 03/2002, Seiten 32-34
Wolf, Ilse / Wolf, Rudolf: Der Zugang zum Internet und der Aufbau einer Internet-Präsenz, in: Monitor, 04/2002, Seiten 28-31
Zehnder, Carl August: Informatik-Projektentwicklung, 3. Auflage, Zürich, 2001, Hochschul-Verlag an der ETH, ISBN 3-7281-2765-5